Die Macht der Gefühle, blinde Flecken und Zitronen

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Mit allen Sinnen

Ich bin ein sehr genauer Beobachter.

Ich beobachte nicht nur mit den Augen, sondern mit allen Sinnen.

Ich fühle jede Situation, ich höre verborgene Zwischentöne. Manchmal rieche ich sogar, zum Beispiel unterdrückte Emotionen. Das ist nicht besonders angenehm, diese Gabe muss ich nicht unbedingt immer und überall einsetzen.

In meiner Arbeit jedoch ist sie sehr wertvoll, weil sie mir wichtige Informationen über mein Gegenüber gibt.

Mittlerweile kann ich gut einordnen, welche meiner Wahrnehmungen für das Aufdecken blinder Flecken wichtig sind.

Was sind blinde Flecken?

Jeder Mensch hat blinde Flecken im Gesichtsfeld, einen zugehörig zu jedem Auge.

Wir bemerken es nicht, denn das Gehirn hat einen Weg gefunden, diesen zu kaschieren. Wenn beide Augen gut zusammenarbeiten, beeinträchtigt es das Sehen nicht. 

Die blinden Flecken werden vom Gehirn verarbeitet. Das Bild wird angepasst an die Umgebung und so fällt es nicht auf, dass eine Information fehlt.

Manchmal wird ein blinder Fleck pathologisch größer, dann fehlen mehr Informationen und es wird immer schwieriger für das Gehirn, das fehlerhafte Bild zu vervollständigen es quasi „richtig“ zu zeigen.

Blinde Flecken haben wir nicht nur auf Körperebene, also im Bereich Auge und Sehen.

Wir haben sie auch in unserer emotionalen Wahrnehmung.

Wenn unser Herz oder unser Bauch etwas wahrnimmt, was zum Beispiel nicht in unser Weltbild, oder in die Vorstellung von uns selbst passt, dann kommt das Gehirn und macht das Bild wieder „richtig“.

Nicht unbedingt der Realität entsprechend und dennoch in bester Absicht.

Wie wählt das Gehirn aus,
was "richtig" ist?

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11 Mio. Informationen nimmt unser Körper über alle seine Sinne pro Sekunde auf.

Neurowissenschaftliche Studien haben ergeben, dass unser Verstand ungefähr 40 davon verarbeitet und in unser bewusstes Denken und Planen einfließen lässt.

Doch welche Kriterien wendet unser Gehirn an, um auszuwählen welche Informationen relevant sind?

Hier kommt wieder unser Verstand ins Spiel. Er ist nicht vollständig auf die Entscheidungen des Gehirns angewiesen, nein. Er entscheidet mit. Er entscheidet, indem er Gefühle wahrnimmt.

Unbewusst oder bewusst! Das entscheidet jeder Mensch für sich.

Blinde Flecken und unterdrückte Gefühle
auf dem Arbeitsmarkt

Der anstrengende Arbeitsplatz!

Ein Vorgesetzter gibt zwar Anweisungen, jedoch sind diese oft unklar. Gibt es Schwierigkeiten diese in die gewünschte Richtung umzusetzen, knallt die Optimierungspeitsche.

Obwohl in diesem Job der Mensch im Mittelpunkt stehen sollte, geht es um Zahlen, Tabellen, Abrechnungen und Fragebögen, deren Sinn oft nicht nachvollziehbar ist.

Auf der einen Seite trockene Daten, sich ständig ändernde Anweisungen und eigenartige Vorgehensweisen, die verwirrend sind und auf der anderen Seite die Arbeit mit einem bedürftigen Menschen, der dringend Hilfe braucht um Ordnung in sein Leben zu bringen.

Kennst Du das?

Unterdrückte-Gefühle-am-Arbeitsplatz

Auch wenn Abläufe und Ziele hinter blinden Flecken verborgen sind, kann man seine Arbeit lieben.  Kaum ein Arbeitgeber lässt sich schließlich in alle seine Karten schauen...

Die Wertschätzung der Menschen zu spüren lässt mich dankbar sein.
Es erfordert oft viel Geduld, bis verletzte Seelen Vertrauen fassen. Viele von ihnen leiden unter unterdrückten Gefühlen und der Folge davon.
Dankbarkeit
Meine Aufgabe an einem meiner letzten Arbeitsplätze hatte Biss im Sinne von Herausforderung und gleichzeitig konnte ich feinfühlig-langsam oder auch motivierend-zackig die Richtung mit den mir Anvertrauten vorgeben.
Das Ziel,

das bestmögliche Ergebnis für ein Individuum

zu erreichen, hatte ich immer im Blick. Ich habe mit Menschen gearbeitet, die jede Menge „Ach unterm Dach“ haben.
Ich durfte sie ein Stück auf ihrem Lebensweg begleiten und es hat mir wirklich unglaublich viel Freude gemacht.
Zitrone-im-Wasser
Im Leben dieser Menschen gab es jede Menge Zitronen, aus denen man wunderbar hätte Limonade machen können.
Aus meiner eigenen Lebenserfahrung heraus hatte ich so viele Ideen, von denen ich wusste, dass sie hilfreich sein können. 

Aber unterm Strich geht es manchem Auftraggeber oder Arbeitgeber nur um die Wirkung im Rampenlicht, und dann wird das nix mit der Limo…

Das kann ganz schön wütend machen. Einige Menschen, die in solch einem Berufsfeld in den unteren Ebenen arbeiten, sind oft hoch emphatisch und spüren dann oft noch die Wut der anderen mit.

Gefühl zu unterdrücken ist oft eine Strategie am Arbeitsplatz, oft sogar aus Angst vor Armut und Aufgabenlosigkeit. Oder einfach davor, dass die Menschen, deren Begleiter sie sind, dann nicht mehr versorgt werden. Sie fühlen sich für andere mehr verantwortlich als für sich selbst.

Auch ich hatte zeitweise diese Gedanken,

denn wenn einem die Arbeit über den Kopf wächst, vergisst man leicht sich selbst.

Obwohl ich schon viele Strategien in mir verankert hatte, mich aus solchen Situationen zu befreien oder mich gar nicht mehr hinein formen zu lassen, war ich kurzzeitig so planlos, dass ich in diesem System herum irrte. Das war totaler Mist!
Meinem Chef war ich zu anstrengend. Ich stellte intuitiv Fragen, wo er keine hören wollte. Ich zeigte auf, wohin er nicht schauen wollte. Und ich spürte hin, wo es mich nichts anging in der Wirtschaftswunderwelt.
Ich wollte so gerne etwas verändern, doch es war an diesem Ort nicht meine Aufgabe.

Das Johari-Fenster (1955 entwickelt von den US-amerikanischen Sozialpsychologen Joseph Luft und Harry Ingham) wäre sicher ein super-Tool gewesen, um in ein gemeinsames Arbeiten zu wachsen, doch dafür ist Selbstreflektion auf allen Seiten nötig.

Landet ein Mensch in einem Kampf- oder Fluchtmodus, vergisst er alle erlernten Strategien, da im Körper Sonderprogramme ablaufen um „zu überleben“.

Nach vielen Jahren Übung kenne ich Strategien, um diesen Modus zu verlassen, eine Lösung zu finden und diese anzuwenden. 
Doch manchmal hilft keine Strategie, dann ist es besser zu gehen...
Meine Fokussierung auf die starren Vorgaben und Regeln in diesem weit verbreiteten Muster, in der der Mensch nur soviel wert ist, wie ein Anderer davon profitieren kann, kostet mich zuviel Kraft.

Es fühlte sich an, als wäre ich gefangen und machtlos.

Der blinde Fleck in meinem Leben

Meine Mutter war 19 als ich das Licht der Welt erblickte. Ich war nicht geplant. Mein Vater trank zu viel, war vorbestraft und kaum anwesend. Meine Eltern liebten sich und trennten sich.
Die junge Mutter war hilflos, doch sie gab ihr Bestes. Sie wählte bald einen neuen Mann. Ich sollte meinen Vater vergessen und gab als Kind mein Bestes – um ihre Hilflosigkeit zu kompensieren und um dem neuen Mann zu gefallen, was mir nie gelang.
Für mich als Kind löste dieses Ereignis ein starkes Gefühl der Machtlosigkeit und des Ausgeliefertseins aus.
Meine Voraussetzungen einen gesunden Selbstwert und Selbstvertrauen zu entwickeln waren also eher suboptimal, doch das wurde mir erst viel später wirklich bewusst.
So ins Leben gestartet, wollte ich es mit Anfang zwanzig unbedingt besser machen. 
Ich heiratete und bekam bald zwei Kinder, denen ich die beste Mutter sein wollte
und ich malte mir das in meinen Gedanken ganz zauberhaft aus.
Die ganzen blinden Flecken, die dieses Bild hatte, bemerkte ich erst später.
Meine Handlungsfähigkeit wurde schon sehr bald auf die Probe gestellt.
 Ein Mann, der offensichtlich sehr krank war, nahm sich etwas, das ihm nicht zustand. Von meinen Kindern.
Ohne Selbstwert und Selbstvertrauen
weiß man gar nicht, was Handlungsfähigkeit ist!
Ich fühlte mich hilflos und unfassbar wütend.
Ich wollte diesen Zorn über meine eigene Machtlosigkeit zum Ausdruck zu bringen.
Zum Glück gab ich ihm nicht nach – es hätte alles noch viel schlimmer gemacht.
Doch ich durfte lernen ihn zu fühlen und seine Macht zu nutzen, um uns zu schützen.
Zu entdecken wie die eigenen Kinder traumatisiert werden, macht eine Mutter innerlich zur Löwin.
Doch durch Ereignisse, die die Mutter selbst erlebt und nicht verarbeitet hat,
kommt sie vielleicht nicht in ihre Kraft. Sie braucht dann Hilfe.
Damals konnte ich mir kaum vorstellen, dass wir überleben.
Doch ich habe ab dem Zeitpunkt der Erkenntnis alles gegeben, um in meine Kraft zu kommen und uns zu befreien.

Zitronen - Symbol für das Leben und die Veränderung!

Wer kennt ihn nicht, diesen schönen Spruch der manchmal ganz schön nervt…

Gibt das Leben dir Zitronen, mach Limonade daraus.

Zitronen stehen sowohl als Symbol für das Leben als auch für eine innige Verbindung zum Tod. 
Der Tod bedeutet oft Abschied von etwas, vielleicht auch Transformation in etwas anderes als zuvor. Manchmal steht an dieser Stelle Trauer an.
Immer dann, wenn das Leben sich mal „säuerlich“ anfühlt, es also nicht so rund läuft, steht Entwicklung an. Diese geht meist mit Veränderung oder Abschied einher.
Gibt-das-Leben-Dir-Zitronen
In die Zitrone zu beißen,
die das Leben einem über den Weg kullern läßt, gehört zum Erwachsen werden dazu.

Doch nach einem Trauma  

ist jede noch so kleine Zitrone oft zu groß.

Und dann kann sie so schwer sein, dass man lieber sterben möchte als sich darauf einzulassen.
in-Zitronen-beissen-und-sich-spueren
In Zitronen zu beißen heißt,
mich selbst zu spüren.
Spüren heißt Fühlen
und das
bringt mich in die Handlungsfähigkeit.
Ich habe die letzten Jahre
Gefühle studiert,
um mich ganz darauf einzulassen!
Alles in mir zu fühlen,
nichts mehr zu unterdrücken!
Das ist es, was mich
in meine Kraft wachsen läßt!
Heute teile ich dieses Wissen
mit großer Lebensfreude!

Jede Zitrone begleitet mich ins Gefühl

Sauer macht lustig?
Ich würde sagen selten.
Aber „lustig“ ist ein Gefühl, das stark wahrgenommen wird.
Sogar Menschen, die wenig Verbindung zu ihren Gefühlen haben, können „lustig“ benennen und erklären.
Vielleicht steht es in diesem Sprichwort einfach sinnbildlich für die Wahrnehmung von Gefühlen.

Zitronenpost

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Und von mir dazwischen ab und zu ein Impuls, aus Zitronen Limonade zu machen…oder sich einfach mal wieder selbst zu spüren.

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Human Therapy – und einer meiner wichtigsten Momente!

Eine meiner wichtigsten Erfahrungen machte ich während einer Human-Therapy-Ausbildung, bei der ich assistierte.
Ich selbst hatte die HT-Ausbildung einige Zeit vorher vollendet und wollte mit meinem Wissen in der Assistenz den anderen Schülern zur Seite stehen.                   
Obwohl ich all die Übungen und Aufgaben während meiner eigenen Ausbildung selbst schon durchgearbeitet hatte, klang immer noch etwas in mir an.
Ich wollte weiter assisitieren, zeigen, wie es geht, doch etwas Lautes in mir störte mich und hinderte mich daran, cool damit weiter zu machen. Der blinde Fleck als Ton im Ohr…
Mein Ausbilder öffnete mir die Augen, als er mir damals mit wenigen Sätzen verdeutlichte, was er wahrnimmt: „Verstecken ist vorbei, Sabine. Wenn Du Deine Kraft leben willst, dann gehören auch Deine Schwächen dazu. 

Der wirkliche Schamane macht sich gläsern.   Georg Hartig  

Mein Anspruch an mich, alles gelöst haben zu müssen um mich selbstbewusst zu fühlen, war mein blinder Fleck. Meine Gefühle einfach runterzuschlucken und so zu tun, als ob alles toll ist, ist nicht die Lösung.
Vielleicht fühlt es sich kurz nach Machtlosigkeit an, wenn ich es zulasse.
Doch heute weiß ich: Wenn mich etwas so sehr berührt, dass es mich zum Weinen bringt, dann weine ich. Wenn ich wütend werde, dann nehme ich das wahr und gebe der Emotion angemessenen Raum. Wenn ich ratlos bin, dann bin ich ratlos.
Und dann entdecke ich, wieviel Kraft sich dahinter verbirgt…

Begleitung in die Selbstverantwortung

Mir macht es Spaß, mit Menschen zu arbeiten! Mir macht es Spaß, mit meinen Klienten trotz ihrer blinden Flecken einen Weg zu finden. Ja, Trotz! Alle Gefühle aushalten mit dem, den ich begleite. Entdecken, was sich dahinter verbirgt.
Und es macht mir Spaß, mit dir zu schauen, was du noch nicht siehst! Zu hören, was in dir noch nicht klingt! Zu fühlen, was du noch nicht spürst! Verborgene Schätze, die sich hinter blinden Flecken verstecken.
Ich habe damals lange nach jemanden gesucht, der dies alles mit mir aushält, bevor ich in die Selbstverantwortung gehen konnte.
Du hast mich gefunden!

Was es sonst noch über mich zu sagen gibt

Schon seit meiner ersten Ausbildung in einer Arztpraxis interessiere ich mich für die Psyche. Nach Küchentischpsychologie mit Freunden begab ich mich nach und nach mehr in dieses Fachgebiet, denn ich wollte verstehen, wie ein Mensch tickt. Der blinde Fleck war hier das erste Mal präsent.

Wo in Körper, Geist und Seele steckt die Psyche? 

Ich bin 1977 in Aschaffenburg geboren, und nach meiner Lehre Mutter von zwei wunderbaren, charakterstarken Kindern geworden. Die meiste Zeit 24/7 alleinerziehend ging es viel zuviel um Alltagsbewältigung und ich war auf der Suche nach praktikablen Lösungen, um es mir und uns leichter zu machen.
Heute sind beide volljährig und selbstverantwortlich für ihr Leben, und wenn ich sie mit dem mütterlichen Blick anschaue, dann bin ich sehr stolz darauf, wie sie ihre Herausforderungen meistern.
Finjus, der kleine freche Mischling, treibt uns seit 11 Jahren liebevoll in die wunderbare Natur. Als wertvolles Familienmitglied und hat er uns stets mit seinem aufmerksamen Charme getröstet, gelehrt, unterhalten und vor allem geliebt. 
In der Natur wird der Kopf klar und die Gedanken beruhigen sich. 
Und mit klarem Kopf kommen mir so wunderbare Erkenntnisse wie:

„Ereignisse beeinflussen Menschen und Menschen können nicht immer so sein, wie andere sie brauchen, das hat mich mein Leben gelehrt.

Es läßt mich demütig erkennen, dass meine Mutter wirklich ihr Bestes gegeben hat. So w

So wie ich. Jeder auf seine Art.

Ich bin sehr stolz auf meine kleine Familie, und besonders auf mich. Ich bin meinen Kindern nach einer harten Zeit immer mehr die liebevolle und klare Mutter geworden, die ich von Anfang an so gern sein wollte. 

Sabine Fleissner, Human Therapy Master
Spezialgebiet? Blinde Flecken und dahinter verborgene Schätze!